Bericht aus Ecuador
(Christine Schiffner möchte sich für die bisher eingegangenen Spenden bedanken)
Spendenkonto für die Unterstützung meines Freiwilligendienstes:
Begünstigter: Erzbischöfliches Ordinariat München
Konto-Nr.: 217000
Bankleitzahl: 75090300
Institut: Liga Bank München
Verwendungszweck: HHST 159214 Spende Internationaler Freiwilligendienst
Die etwas andere Weihnachtszeit
Der Advent ist schon vorbei und Weihnachten steht vor der Tür. Normalerweise habe ich um diese Zeit schon etliche Christkindlmärkte besucht, den ein oder anderen Glühwein geschlürft und von Omas Plätzchen schnabuliert.
Man kann nicht behaupten, dass das Weihnachtsfest für mich ausfällt dieses Jahr.
Doch es läuft eben alles etwas anders ab.
Die ganze Stadt ist weihnachtlich geschmückt, wenn auch sehr amerikanisch geprägt. Überall sieht man wild blinkende, bunte Lichter in den Fenstern, Weihnachtsmänner laufen in den Einkaufsmalls herum und die Plastikchristbäume werden hier fast überall schon Mitte November aufgestellt und geschmückt – natürlich wieder mit bunten, wild blinkenden Lichtern.
Der Advent ist hier nicht sonderlich bekannt, weshalb auch
unsere Gastfamilie keinen Adventskranz besitzt. Allerdings wurde ich von meiner
Schule beauftragt, einen Adventskranz zu binden und bei einer Lehrerversammlung
dessen Bedeutung zu erklären. Gar keine so leichte Aufgabe ohne Tannenbäume oder
ähnliches. Aber nach langem suchen bin ich doch noch fündig geworden und das
Ergebnis ist gar nicht schlecht geworden. Ich fand es schön, dass sich die
Lehrer auch für die Bräuche und die Kultur aus meinem Land interessieren. 
Ein wirklich schöner Brauch hier ist die “novena de navidad”. Normalerweise beginnt diese am 15.12, also genau 9 Tage vor Weihnachten. In meinem Colegio fing sie allerdings schon etwas früher an, nämlich am 9.12.2011. In dieser Zeit wird an jedem Tag der “novena” etwas anderes gefeiert, z.B. die “tres Reyes magos”
( die heiligen 3 Könige). Jede Klasse bekommt einen Tag zugeteilt, an dem sie die novena vorbereiten muss. Gleich nach der Pause beginnt dann das Spektakel:
das Krippenspiel wird aufgeführt,
Gebete werden gesprochen und Lieder werden gesungen. Für das Krippenspiel verkleiden sich die Schüler immer als Engel, Maria und Josef, Esel & Co, was wirklich allerliebst aussieht. An einem Tag der novena war sogar ein Magier im Colegio, der die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert hat. Alle Schüler, ob erste oder neunte Klasse, verfolgten gebannt die Zaubertricks und staunten nicht schlecht, als der Magier aus einem scheinbar normalen und leeren Hut ein Dutzend bunter Tücher hervorzauberte.
Gerade jetzt kommen die verschiedensten Organisationen in mein Projekt, um den Kindern mit diversen Geschenken und “Caramelos” die Weihnachtszeit zu versüßen. Das ist das wirklich super für die Schüler, da viele Familien so arm sind, dass es sonst zu Weihnachten keinerlei Geschenke geben würde. Allein in den ersten 6 Tagen der novena bekamen die Kinder von 2 verschiedenen Organisationen und dem Partnercolegio in Cumbaya etliche Geschenken und Süßigkeitenpakete. Außerdem wurde ein Schulfest veranstaltet, wo die Schüler an unterschiedlichen Spielstationen wieder viele Geschenk gewinnen konnten.
Das
Schulfest an und für sich war wirklich super, sowohl für jung als auch für alt.
Die Schüler kamen fast alle in Begleitung ihrer Eltern, was mir auch
ermöglichte, mich mit einigen Eltern einmal zu unterhalten. Es gab diverse
Spielstationen für die Kinder wie Basketballwerfen, Fische angeln, Glücksrad
drehen, …
Auch an Schleckereien mangelte es nicht im geringsten: Zuckerwatte, Eis, Muffins & Co versüßten nicht nur den Kindern den Nachmittag. Bezahlen musste keiner etwas, da es wieder Sponsoren für die Verpflegung gab. Allerdings bekam jedes Kind zuvor eine begrenzte Anzahl an Bons, mit denen sie entweder Essen kaufen oder an Stationen spielen konnten. Alles in allem ein sehr gelungenes Fest bei strahlendem Sonnenschein.

Natürlich wurde auch unser Colegio für die Weihnachts-zeit richtig herausgeputzt. Alle Lehrer wurden in 2er oder 3er Gruppen aufgeteilt, die dann verschiedene Aufgaben erledigen mussten. Meine Aufgabe war es, die “tres Reyes magos” riesengroß zu malen und anschließend ein Klassenzimmerfenster damit zu verzieren. Das Ergebnis sieht so aus, dass alle Klassenzimmerfenster zum Innenhof hin schön weihnachtlich mit Bildern und Schriftzügen verziert sind. Ich fand diese Arbeiten wirklich schön, weil das „Teamwork“ mit den Lehrern super klappte und weil ich für mein Leben gerne bastel’/male/zeichne.
Ich
selbst habe dann durch den Christkindlmarkt in Christkönig auch die Möglichkeit
bekommen, ein kleines Weihnachtsprojekt in meinen Klassen durchzuführen. Durch
das von dem Stand meiner Mutter eingenommene Geld konnte ich für meine 80
Schüler Holzchristbaumkugeln, Farbe und Tonpapier kaufen. Die Christbaumkugeln
werden hier in Ecuador in einem Jugendprojekt hergestellt, weshalb


die Beschaffung relativ leicht war und dieses Projekt damit ebenfalls unterstützt wird.
Und dann ging es auch schon los. Angefangen habe ich in meiner ersten Klasse und ich muss sagen, dass ich die “niños y niñas” in meinem normalen Englisch-Unterricht noch nie so still und hochkonzentriert erlebt habe. Abenteuerlich war es aber trotzdem. Gleich zu Beginn, als ich gerade die erste Farbe ausgeteilt hatte, kommt plötzlich Geschrei von hinten. Da ist es aber auch schon passiert: Ein Schüler hatte doch tatsächlich die tolle Idee, die Farbe zu essen, weshalb nun sein ganzer Mund grün war. Nach einer kurzen Waschaktion und einer Standpauke konnte es aber richtig losgehen. Gemalt wurde entweder mit Wattestäbchen oder mit den Fingern und es sind wirklich schöne Christbaumkugeln entstanden. In der nächsten Stunde habe ich dann noch Weihnachtskarten mit den Kindern gebastelt, die sie dann mitsamt den Kugeln ihren Eltern schenken können.
Genauere Informationen zu meinen Projekt und meiner Arbeit:
Allgemein läuft mein Englischunterricht wirklich gut. Ich unterrichte die erste, dritte und vierte Klasse, wobei in der ersten Klasse das Ganze noch sehr spielerisch abläuft. Ich singe und male viel mit ihnen, lasse sie englische Wörter nachsprechen und mache kurze, leichte Bewegungs- und Lernspiele. Falls ich einmal Hilfe brauche, weil sich die Bande einfach nicht beruhigen lässt, ist fast jede Stunde ein zweiter Lehrer mit im Raum der mir, falls gewünscht, zur Hand geht. Mit der dritten und vierten Klasse kann ich schon richtige Hefteinträge machen, auch wenn diese unglaublich viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich teile zum Beispiel Blätter aus, auf denen ich 12 verschiedene Früchte gemalt habe. Diese sollen sie dann ausschneiden, in ihr Heft kleben, ausmalen und die englischen Begriffe darunter schreiben, die neben den Bildern an der Tafel stehen. Bei einigen klappt das ganz gut, andere arbeiten so langsam, dass sie die doppelte Zeit dafür benötigen. Bis jetzt haben sie schon die „Days of the week“, „the fruits“, „the vegetables“, „presentation“ und „the colours“ gelernt, aber es fehlen noch so einige Themen. J
Ein normaler Arbeitstag sieht bei mir in etwa so aus:

Ich muss um 6 Uhr aufstehen, da mein Arbeitsweg mit dem Bus ca 1h dauert. Um 8 Uhr beginnt dann die Schule. Jeden Montag in der Früh gibt es eine Schulvollversammlung auf dem Pausenhof. Hierzu stellen sich die Schüler klassenweise auf. Zuerst wird die Landeshymne gesungen und anschließend die Schulhymne. Danach folgt eine kurze Präsentation einiger Schüler zu einem bestimmten aktuellen Thema, wie z.B. ein Feiertag. Um ca. 8.15 Uhr beginnt dann der normale Unterricht. Wenn ich selbst keinen Unterricht habe, begleite ich entweder meine Kollegin Tia Carina in ihren Unterricht oder bereite meine Stunden vor in ihren Unterricht oder bereite meine Stunden vor. Um 12 Uhr helfe ich in der ersten Klasse beim Mittagessen. Neben Suppe, Jugo und Reis austeilen muss ich auch helfen, die Kinder zum Essen zu bewegen. Denn wie Kinder nun einmal sind, ist ratschen, herumblödeln oder in der Gegend rumschauen doch 100mal interessanter, als zu essen.
Um ca. 13 Uhr, nachdem alle Kinderbäuche gesättigt wurden, bekomme ich mein Mittagessen. Ab 14 Uhr geht der Unterricht dann weiter. 3mal die Woche muss ich bis um 15.45 Uhr arbeiten und 2 Tage endet der Unterricht schon um 14 Uhr.
Da
ich in einem katholischen Colegio arbeite, gibt es für die Lehrer jeden Mittwoch
in der ersten Stunde eine „reunion“ mit dem Padre. Dabei werden Bibeltexte
gelesen, diskutiert und Gebete werden gesprochen. Ausserdem ist einmal in der
Woche eine Messe in der kleinen Kapelle (el Santuario) direkt neben der Schule.
Diese Kapelle ist für die Schule von besonders großer Bedeutung, weil sie mit
der Geschichte des Colegios Schönstatt zu tun hat. Die „familia de Schoenstatt“
wurde 1914 von „Padre Kentenich“ gegründet.
Neben der Arbeit erlebe ich natürlich auch in meiner Freizeit so einiges. In den „feriados“ Anfang November bin ich mit Cami, einer anderen Frei-willigen an den Strand in „Atacames“ gefahren. Dieser Strand ist bekannt dafür, dass hauptsächlich Jugendliche dort Urlaub machen.

Wir hatten 3,5 Tage Zeit, um zu entspannen und Leute und Umgebung kennen zu lernen. Es
war ein sehr schöner Urlaub und
ich muss sagen, dass mir die Strände hier in Ecuador wirklich
gut gefallen.

Kürzlich war ich sogar auf einer ecuadorianischen Hochzeit eingeladen. Meine Kollegin Carina hat am 17.12.2011 kirchlich geheiratet und hat mich und meine Begleitung Cami zur Messe und zur anschl ießenden Feier eingeladen. Wir haben uns richtig herausgeputzt und waren pünktlich um 18 Uhr bei der Kirche. Aber wie das hier eben so ist in Ecuador, kam die Braut gleich mal 45 Minuten zu spät. Dafür war alles wirklich sehr schön und romantisch.
Besonders die Trauungszeremonie in der Kirche fand ich sehr interessant.
Bei der Feier danach gab es ein super Essen, es wurde viel getanzt, gefeiert und gelacht. Allerdings hat die Hochzeit hier durch den späten Beginn nicht annähernd solange gedauert wie bei uns daheim. Aber es war trotzdem toll, einmal eine Hochzeitszeremonie auf Spanisch miterleben zu können.
Das war’s im Großen und Ganzen auch schon wieder. Über Fragen und eure Emails würde ich mich freuen!
Jetzt wünsche ich euch allen noch ein fröhliches, gesegnetes Weihnachtsfest, ein paar erholsame Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bleibt gesund und habt eine schöne Zeit!
Viele liebe sonnige Grüsse aus Ecuador,
eure Christina